Unser P-Seminar „Trickfilm“ widmete sich den theoretischen Grundlagen als auch praktischen Erfahrungswerten. Nach verschiedenen Experimenten steuerten wir einem gemeinsamen Projekt entgegen, um einen einheitlichen Trick­film zu erstellen. Auf dieser Webseite erhalten Sie einen Einblick unserer Forschungs­reise. Viel Spaß beim Schmökern und Entdecken.

Eadweard Muybridge

Befinden sich alle vier Hufe des Pferdes beim Galopp für einen Moment in der Luft?

Die Antwort lautet – ja. Der Brite Eadweard Muybridge erbrachte 1877 den Beleg dafür. Mithilfe seiner Innovation des Zoopraxiskops, konnte er Fotografien zu einem bewegten Bild zusammenfügen, wodurch eine flüssige Bewegung entstand. Der Apparat gilt als Vorläufer des Kinos und Muybridge somit als einer der Großväter der Kinematographie.

Die Chronofotografie ist auch die Technik, die allen unseren Trickfilmen zugrunde liegt. Wir zogen also aus Eadweard Muybridges Werken, in denen Be­we­gungs­ab­läufe Bild für Bild zusammengesetzt wurden, viel Inspiration.

William Kentridge

Als Einleitung zu unserem Thema warfen wir einen Blick in die faszinierende Welt des William Kentridge. Kentridge, geboren am 28. 04. 1955 in Johannesburg, produzierte in den 80er Jahren Animationsfilme, die die sozialen Umstände und die Geschichte Südafrikas darstellen.

In seinem Werk nutzt Kentridge oft eine Trick­film­technik, die nur auf Holzkohle mit Papier basiert. Immer wieder zeichnet er ein Bild, das er abfotografiert und anschließend wieder weiter bearbeitet. Da sich Holzkohle aber nur ganz grob ausradieren lässt, kann man immer noch einen leichten Abdruck des ursprünglichen Bildes erkennen, was für eine groß­artige Dynamik im gesamten Film sorgt.

Nun war es unsere Aufgabe mithilfe dieser Methode eine eigene Geschichte zu erzählen. Währenddessen lernten wir, wie Musik für die Atmosphäre des Trickfilms sorgt. Ein Trickfilm kann mit unterschiedlicher Musik verschiedene Geschichten und Stimmungen erzeugen. Wir durften die Musik für den fertigen Film selbst wählen. Regenwürmer, Dinosaurier und lebendige Puppen, jeder hatte seine ganz eigene Idee umgesetzt und es entstanden eine große Variation an Stop-Motion-Filmen.

Als wir dieses Projekt abgeschlossen hatten, fing gleich die nächste Aufgabe an. Jeder musste mit einem vorgegebenen Objekt ein Trickfilm machen. Das Objekt: Eine Schere. Die Gruppen erstellten jeweils Hintergründe, Kulissen und Requisiten, um die Scheren miteinander und mit ihrer Umgebung interagieren zu lassen. Hier kamen eher tiefgründigere Themen, die sich beispielsweise mit Gesellschaftskritik oder den Kalten Krieg auseinandersetzen, an die Oberfläche. Fantasievoll wurden Hintergründe und Kulissen gebaut. Kreativität war gefragt.

Daumenkinos

Die nächste und letzte Technik, mit der wir uns befassten war die des klassischen Daumenkinos. Wir kreierten eine bessere Version von solchen, die man schon oft als Kind in ein Buch oder auf einen Block gezeichnet hat, zugunsten eines Trickfilms. Unsere erste ursprüngliche Aufgabenstellung: eine Alltagstätigkeit in eine ungewohnte Umgebung setzten und dadurch einen Überraschungseffekt und eine etwas abstrakte und bizarre Handlung erzeugen. Das Thema wurde breit ausgelegt, wodurch wir die unterschiedlichsten Ergebnisse erhielten. Jeder entwickelte eine Technik (z.B. Durchdrucken mit einem harten Bleistift), um jedes einzelne Bild das dem Vorhergehenden bis auf kleine Details gleichen sollte leichter abzeichnen zu können. Mit den Daumenkinos hatten wir letztendlich nicht nur einen visuellen Film, es gab auch eine haptische Version der bewegten Bilder.

Als unser Endprojekt erstellten wir einen Trickfilm mit dieser Daumenkinotechnik, zu dem jeder einzeln eine kurze Szene entwerfen sollte. Diese Abschnitte wurden zum Schluss zu einem Ganzen zusammengefügt. Dafür musste das erste und das letzte Bild einer Szene vorgegeben werden, um die Projekte der verschiedenen Teilnehmer nahtlos ineinander über gehen zu lassen. Was zwischen den zwei vorgegebenen Gegenständen passieren sollte, war jedem freigestellt. Zum Schluss musste noch jedes der Bilder abfotografiert werden, sodass wir es zu einem Film zusammenschneiden konnten. Diesen unterlegten wir noch mit Soundeffekten, um ihn lebendiger wirken zu lassen.

Interview

Interview mit Cosima Strähhuber über ihre Arbeit und ihren Trickfilm für die Jahresausstellung 2020 des Kunstvereins Traunstein

Eine lokale Künstlerin, die wir zu einem Interview einladen durften, ist Cosima Strähhuber. Eigentlich macht sie normalerweise keine Zeichentrickfilme, erzählt sie, aber da sie in letzter Zeit so viel zuhause war wegen ihrer Kinder, wollte sie jetzt was Neues ausprobieren. Ihr Film sollte sich hauptsächlich um Bärte drehen. „Da muss doch etwas mehr als nur Mode dahinterstecken?“, meint Frau Strähhuber schmunzelnd: „…etwas politisches vielleicht?“.

Und weiter: „Zum Eröffnungstermin der Ausstellung hatte ich nur ein und halb Wochen Zeit. Ich habe am Anfang einen Test-Film gemacht, wo ich das Programm erst neu hatte, und dann den Zeichentrickfilm erstellt und seitdem auch nichts mehr.“ Gerne möchte sie mit den Kindern der Schule der Fantasie was ähnliches machen, „…aber jetzt ist wieder nichts.“

Aber nicht nur Trickfilme meistert sie, sondern auch bewegte Installationen und tönende Arbeiten. Sie erzählt von einer Gärungsinstallation in Form einer Orgel, wo die Kunst der Gärvorgang ist. Diese besteht aus mehreren Gärungsballons, die von einer Flöte versehen sind und mit Mikros verstärkt werden. Aufgrund des Druckes in den Ballons lassen diese nacheinander Töne raus. „Die Frage ist hier, wo ist sie Grenze zwischen Kunst und Zufall?“

Auch Textilarbeiten werden uns gezeigt. „Es geht mir auch viel um Material und ich versuche alles möglichst selbst herzustellen. Das ist aber anders als das, was man sich typischerweise unter Kunst vorstellt, oder? Die meisten Menschen glauben einfach Kunst ist nur figürliche Malerei oder Bildhauerei und der Rest ist keine Kunst.“

Als wir sie fragen, ob sie noch irgendwelche Tipps hat, für diejenigen, die sich für Zeichentrickfilme interessieren, empfiehlt sie uns voller Begeisterung ein Buch weiter: „Das heißt ‚The Animator’s Survival Kitt’ von Richard Williams. Das ist ein super Buch, weil da ganz viele solche Sachen drin sind, wie man Bewegungen zeichnen kann, dass sie richtig rüberkommen. Das ist sehr detailliert und auch mit Zeitskalen versehen. Das kann ich empfehlen.“ Ansonsten empfiehlt sie uns das Internet zu durchforsten, da man auch dort sehr viel zum Thema Stop-Motion findet, Fischli und Weiss zum Beispiel, die mit Essen experimentieren.

Schon im früheren Umfeld von Frau Strähhuber fand sie Leute, die mit faszinierenden Sachen experimentierten: „Die haben damals alle angefangen in irgendwelchen Studios an Zeichentrickfilmen zu arbeiten. Damals habe ich mir schon gedacht: Wie toll, das möchte ich auch irgendwann mal machen. Und mittlerweile ist die Technik so einfach, dass man Trickfilme selbst zuhause machen kann.“

In der Zukunft möchte sie sich mehr in die Technik des Zeichentrickfilms vertiefen, oder auch Stop-Motion-Filme mit „Knete-Männchen“ machen. „Ich würde mir gerne anschauen, was ihr so gemacht habt!“, sagt sie uns noch zum Schluss. Und falls ihr gerne anschauen möchtet, was Cosima Strähhuber gemacht hat, schaut doch mal den folgenden Link an. Viel Spaß!

https://www.youtube.com/watch?v=kLtDeg2y1AY