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Als ich einen Anruf von Frau Mühlbauer bekam, war ich so­fort hellauf begeistert: Sie wollte mich für die Eu­ro­pä­­ische Talent Akademie Lin­dau vorschlagen, die jähr­lich von der Fraunhofer Ge­sell­schaft ausgetragen wird. Ich bewarb mich sofort und freute mich riesig, als ich die Zusage per Post er­hielt: Ich gehörte zu den sieben­und­­fünf­zig Aus­er­wähl­ten, die nach Lindau am Bodensee fah­ren durften, um an der Akademie teilzunehmen. Au­ßer­­dem war ich sogar mei­nem Wunschkurs zugeteilt wor­den: Dem Li­te­ra­tur­kurs "Verbrecher im Netz". Das war neben vier weiteren na­tur­wis­sen­schaft­li­chen Kur­sen eines von fünf Themen, mit dem man sich ein­ge­hen­der bei der Akademie beschäftigen konnte.

Die Akademie besteht allgemein aus drei zeitlichen Blöcken: Dem Vorbereitungs- und Nach­­be­rei­tungs­­wochen­ende sowie der eigentlichen zweiwöchigen Sommerakademie.

Beim Vorbereitungswochenende ging es vor allem darum, sich kennenzulernen und mit dem Tagesablauf der kommenden Sommerakademie vertraut zu machen. Dabei wurde mir schnell bewusst, dass mich im August ein straffes Programm erwarten würde. Deshalb zweifelte ich vor Beginn der Sommerakademie auch daran, ob ich den Ansprüchen der Akademie gerecht werden würde. Etwas unsicher, aber viel neugieriger, fuhr ich dann nach Schuljahresende an den Bodensee.

Und es wurden die schönsten und lehrreichsten zwei Ferienwochen meines Lebens!

In meinem Kurs, geleitet von den erprobten Schriftstellern Arwed und Annette, lernte ich, wie man richtig mit Buchstaben jongliert, dem Leser den Schweiß von der Stirn laufen lässt und seine eigene Geschichte in ein hübsches dramaturgisches Päckchen verpackt. Denn nach Besprechen der Theorie durften wir uns unter dem Gesichtspunkt moderner Medien an selbst ausgedachten Krimis versuchen. Kaffesüchtige Ermittler kamen darin genauso vor wie internetsüchtige Omas. Außerdem durften wir mit Richard, einem ehemaligen Polizisten, in die Arbeit eines Kriminalisten hinein schnuppern.

Nach der Kursarbeit kam dann der künstlerische Teil des Tagesablaufs - für mich bedeutete das Singen im Chor unter der Leitung von den begnadeten Musikprofis Andi und Katja. Mit Liedern wie "Ave Verum Corpus" von Wolfgang Amadeus Mozart oder dem Kultlied "The Girl From Ipanema" deckten wir ein buntes Spektrum an verschiedensten Musikstilen ab. Ganz nebenbei erlernte man dazu die richtige Atemtechnik.

Neben der ‚normalen‘ Kursarbeit hatten wir zudem an einem Tag die Möglichkeit, uns als zukünftige Politiker auszuprobieren. Das Europäische Planspiel wurde von der Akademie für politische Bildung Tutzing geleitet und hatte das Erlassen einer Datenschutz-Grundverordnung zum Ziel – die schließlich auch verabschiedet wurde.

Der Spaß, sei es beim Arbeiten in den Kursen oder in der Freizeit, wurde in Lindau generell großgeschrieben. So trat der straffe Zeitplan schnell vor der Atmosphäre, die die Akademie ausstrahlte, völlig in den Hintergrund. Offenheit, Freundlichkeit und der Ehrgeiz, zusammen etwas erreichen zu wollen, zählten genauso dazu, wie das spontane Singen neuer Lieblingslieder (To­ma­ten­salat), geplant chaotische Bandproben mit viel zu lauter Akustik oder das Einatmen frischer Boden­seeluft auf der Schiffsfahrt und beim Schwimmen. Die Gemeinschaft war einzigartig und ich lernte viele gute Freunde kennen, mit denen ich bis heute in Kontakt stehe.

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Ich kann die Teilnahme an der Europäischen Talent Akademie nur weiterempfehlen und hoffe, dass noch viele andere Jugendliche die Möglichkeit haben werden, diese Akademie erleben zu können!

Bei Gelegenheit möchte ich mich zum Schluss noch ganz herzlich bei der Schulleitung und dem Oberstufensekretariat bedanken, die mir diese unvergesslichen Momente und den Zugang zu vielem neuem Wissen ermöglicht haben!

Marina Plereiter, Q12