Die Fotogruppe des AKG besuchte den Traunsteiner Fotografenmeister Wolfgang Stadler in der Ludwigstraße und informierte sich dort über die Arbeitsmöglichkeiten in der Fotografie.

 MG 9066 1Der Traunsteiner Fotograf Wolfgang Stadler nahm sich fast drei Stunden Zeit, um die AKG-​Schüler über das Berufsbild des Foto­grafen zu in­for­mie­ren.

Während im Eingangsbereich des Ladengeschäfts vor allem verschiedene Portraits zu sehen sind, zeigte Wolf­gang Stadler auf dem Weg in sein Studio, dass er auch in der Industriefotografie und in der Modefotografie tätig ist. Da gebe es nüchterne und einträgliche Ar­beits­mög­lich­kei­ten beim Ablichten von Produkten für Kataloge. In der Modefotografie hingegen herrsche ein großer Zeit- und Arbeitsdruck, der von den vielen beteiligten Per­so­nen komme. Da ist nicht allein der Fotograf mit seinem Assi am Auslöser, sondern auch noch die Visagistin so­wie die Models, die für den ganzen Tag gebucht werden – oder eben für zwei, was die Kosten verdoppelt. So ist schnell klar, dass Aufträge möglichst an einem Tag ab­ge­wickelt werden und dabei von früh bis spät so viele Mo­ti­ve wie nur irgend möglich abgearbeitet werden. Was dann doch einen gewissen Widerspruch zum Traumberuf Fotomodel darstellt, an dem man sich als Model einmal schön ablichten lässt und dann für den Rest des Tages nur noch schön ist.

Es wird so auch schnell klar, wie man mit der Fotografie viel Geld verdienen kann: nämlich mit maximalem Einsatz, guten Ideen aus einer großen Portion Kreativität gepaart mit dem Willen, seine Ideen auch umzusetzen. Wenn man das als Fotograf nicht will, kann man – so Stadler – auch beschaulicher arbeiten, das spiegelt sich dann aber auch im Verdienst wider.

Hartes und weiches Licht

Im Studio gab er den AKG-Schülern einen Überblick, welche Möglichkeiten man hat, das Licht kreativ zu gestalten. Mit Stolz zeigte er seine kleinen und leistungsfähigen portablen Studioblitze und kam dann schnell auf die Lichtformer zu sprechen. Wannen oder Softboxen erzeugten ein weiches Licht, was Damen im rechten Licht erscheinen lässt. Männerportraits mit den gewünscht markanten Zügen kommen mit entsprechend härterem Licht besser zur Geltung, wofür sich Waben, die in einen Standardreflektor oder eine Softbox eingefügt werden, gut nutzen lassen. Und weil man möglichst nur mit einem Hauptlicht arbeitet, kann man die verschattete Wange mit einem Reflektor aufhellen. Kurzum: Im Schnelldurchgang verabreichte Stadler den Schülern das kleine Einmaleins der Studiofotografie.

 MG 9069 1Der Reflektor bringt soviel Licht wie ein halber Blitz: Stadler erklärt Beleuchtungstechnik im Fotostudio.

Schule soll ja aufs Leben vorbereiten, und so ging Stadler auch auf die Ausbildung zum Fotografen ein: Sie dauert drei Jahre, kann je nach Ausbildungsstand und Leistungsfähigkeit auch verkürzt werden und bietet dann interessante Perspektiven, wie er sie an den Lebensläufen einiger seiner Auszubildenden anschaulich erklärte. Während der Ausbildung ist man in die betrieblichen Abläufe eingebunden, ein großer Teil der Ausbildungszeit muss verwendet werden, um die eigenen Kenntnisse durch selbständige und vorausschauend geplante Projektarbeit zu verbessern. Übung macht halt den Meister, das ist ja keine neue Erkenntnis. Zum Erfolg gehört steter innerer Antrieb und der Wille, ganz vorne dabei zu sein und die Neuerungen, die der Beruf bietet, auch umzusetzen. Gerade die digitale Fotografie hat dem Medium zwar einen enormen Aufschwung verliehen, aber auf der anderen Seite den Wettbewerb stark verschärft. Heute gibt es in Traunstein drei Fotografen, vor 20 Jahren waren es zehn.

Die Fotogruppe der Q11 am Annette-Kolb-Gymnasium möchte sich recht herzlich bei Wolfgang Stadler für die knapp drei Stunden bedanken, in denen er uns Einblicke in die Welt der Fotografie gab. Wir durften bei einem ausgewiesenen Fachmann zu Gast sein.

Helmut Floder