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Zunächst begeisterte er die 9. Klassen mit einer Lesung aus den Edel­weiß­piraten: Die Rahmenhandlung bildet die Bekanntschaft des 16-jährigen Daniels mit einem alten Mann, der ihm sein Tagebuch überlässt, in dem dessen Geschichte, die eines Mitglieds der Edel­weiß­piraten, erzählt wird.

Diese Gruppe von Jugendlichen entzog sich zur Zeit des National­sozialismus der Hitlerjugend und aus dem anfänglichen Protest gegen die Beschneidung ihrer Freiheiten und ihres Selbst­bestimmungs­rechtes entwickelte sich ein Unrechtsbewusstsein bezüglich des NS-Regimes und ein aktiver politischer Kampf trotz des Wissens, was dies für jeden Einzelnen bedeuten konnte. Denn sowohl die Gestapo als auch die SS schlugen mit aller Härte zurück - ohne Rücksicht auf das Alter der Mitglieder der Gruppe.

Der 16-jährige Daniel liest all dies und sieht den Alten nun mit anderen Augen. Letztendlich erkennt er auch, welche Bedeutung dies alles für ihn selbst und sein eigenes Leben hat.

Genau recherchiert und sprachlich authentisch gestaltetet taucht man durch die Lektüre ein in eine Welt, in der Widerstand und Rebellion das Leben kosten konnten. Die Schülerinnen und Schüler lauschten gespannt dem Kapitel deutscher Geschichte, das durch die Lesung lebendig wurde.

Im Anschluss daran stellte Dirk Reinhardt für die 8. Klassen sowie das W-Seminar "Jugendliteratur zur Flüchtlingsproblematik" sein ebenfalls mehrfach ausgezeichnetes Werk "Train Kids" vor, in dem es um das Schicksal von fünf Jugendlichen geht, die sich aus unterschiedlichen Gründen auf den langen und gefährlichen Weg von Mittelamerika in die USA machen. Die einzige Möglichkeit, Mexiko zu durchqueren, sind die Güterzüge, auf denen jedoch viele Tausend blinde Passagiere unterwegs sind - und ein Fehltritt beim Aufspringen auf die Waggons, ein Eindösen auf deren Dächern oder eine andere Unachtsamkeit dort genügt, um zu sterben.

Daneben machen den Flüchtlingen die korrupte Polizei sowie geldgierige Räuberbanden das Leben zur Hölle. Schätzungsweise 50 000 Kinder und Jugendliche aus Mittelamerika, so Dirk Reinhardt, sind auf Güterzügen in Mexiko unterwegs, meist um Angehörige in den USA zu finden.

Das akribisch recherchierte Jugendbuch ist nach wie vor hochaktuell und der Autor war erst vor wenigen Monaten wieder vor Ort und hat mit Jugendlichen, die es bis nach Mexiko geschafft haben und weiter wollen, gesprochen. Die Schülerinnen und Schüler am AKG waren betroffen, denn die mit Bildmaterial gestützte Lesung zeigte, was Armut und Kriminalität Kindern antun können - und wie diese zugleich unter Einsatz ihres Lebens versuchen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen - immer in der Hoffnung auf ein besseres Leben mit ihren Familien.

Ein absolut lesenswertes Buch, lautete so auch das Fazit aller Gruppen.

S. Prock