210 Mädchen im Bahngleis 2Gefährliches Spiel im Bahngleis

Höher, schneller, weiter. Dieses Motto von Spitzensportlern, die sich mitunter, um ihre Ziele zu erreichen, manchmal illegaler Methoden bedienen, scheinen sich Jugendliche in der heutigen Zeit in anderer Weise zu eigen zu machen. Motiviert durch die Frage, wie man die eigene Person in Zeiten von Facebook, Instagram und Co besser in Szene setzen kann, riskieren Kinder Kopf und Kragen und sind sich der Gefahr nicht einmal bewusst. „Wir haben doch auf den Zugfahrplan geschaut, da kommt jetzt kein Zug“, rechtfertigen sich Schülerinnen in naiver Art und Weise gegenüber der Bundespolizistin Michaela Hofmeister. Dass beispielsweise Güterzüge oder Fernzüge nicht im Fahrplan stehen, weil kein Halt im Bahnhof vorgesehen ist, macht die Jugendlichen zum ersten Mal stutzig. „Das wussten wir nicht“, gaben die Mädchen zu und beginnen, ihr Verhalten zu hinterfragen. Riskanter, gefährlicher, kopfloser könnte man das oben genannte Motto umdeuten.

270 Vortrag Bahnprävention 3Bahnpräventionsarbeit am AKG

Dieses vermehrte Verhalten von Jugendlichen nahm die Bundespolizeiinspektion Freilassing zum Anlass, Kinder und Jugendliche in einem Vortrag über alle Gefahren im Bahnbereich aufzuklären. Auch das AKG hat sich diese Art der Präventionsarbeit auf die Fahne geschrieben und mit der Polizeiobermeisterin Michaela Hofmeister eine erfahrene Bundespolizeibeamtin ins Boot geholt, um besonders Schülerinnen und Schüler der Unterstufe in diesem Bereich aufzuklären. Die Vorträge sollen dabei anhand von Fallbeispielen auf die Gefahren hinweisen und vor allem aber auch in einem vertrauensvollen Miteinander die Kinder in Gesprächen sensibilisieren.

Der Aufenthalt im Gleis ist gesetzlich verboten. Wenn durch Personen darin ein Zug eine Vollbremsung machen muss, begehen diese dadurch eine Straftat nach § 315b StGB, weil dies einen gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr darstellt. Lokführer haben die Pflicht, eine Vollbremsung einzuleiten, falls sie Personen im Gleiskörper entdecken. Selfies im Gleisbereich stellen daher eine Straftat dar, bei der die Personen zudem ihr Leben aufs Spiel setzen. Züge sind sehr schnell, benötigen bei 100 km/h etwa 3s für 100m. Züge hört man kaum. Züge haben einen sehr, sehr langen Bremsweg, bei 100 km/h sind es 1000m bis zum Stillstand bei einer Vollbremsung. Kein Foto der Welt ist es Wert, sich dieser Gefahr auszusetzen.

270 Bahngleis BahnhofBahnsteig - tägliche Heraus­for­de­rung

Vor diesem Hintergrund wird den Schülerinnen und Schüler am AKG auch das sichere und verantwortungsbewusste Verhalten am Bahnsteig und an Bahnübergängen an die Hand gegeben. Viele Fahrschüler sind tagtäglich mit dieser Situation auf ihrem Schulweg konfrontiert. Vorbeifahrende Züge haben eine enorme Sogwirkung und können sogar erwachsene Personen mit sich reißen, wenn der Abstand zur Bahnsteigkante zu gering ist. Auch wenn die Vierersitzgruppe mit Freunden sehr begehrt ist, sollte man dennoch die Abstandsmarkierung unbedingt am Bahnsteig einhalten, um bei einfahrenden Zügen sich nicht der Gefahr auszusetzen, im Gedrängel an den Waggontüren sprichwörtlich unter die Räder zu geraten. Auch wenn die Zeit drängt, um pünktlich zur Schule, nachhause oder zu sonstigen Terminen zu kommen, sind die vorgesehenen Bahnübergänge und -unterführungen der einzige Weg, der über Bahngleise führt. Kein Termin kann so wichtig, aber auch keine Mutprobe so bedeutend sein, das eigene Leben an Bahnübergängen zu riskieren. Eigentlich scheint es selbstverständlich, aber die Erfahrung der Bundespolizistin zeigt, dass man die Bevölkerung immer einmal wieder darauf aufmerksam machen muss, dass eine geschlossene Bahnschranke geschlossen ist, und dies aus gutem Grunde.

In ihren Vorträgen bekommt Michaela Hofmeister immer wieder besorgniserregende Erfahrungsberichte zu Gehör. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, dass sich die Kinder in einem vertrauensvollen Rahmen öffnen, eigenes Verhalten, aber auch das anderer Mitmenschen und von Freunden kritisch reflektieren können und dadurch ein Sensibilisierungsprozess in Gang gesetzt wird, der die Lebenskompetenzen der Kinder stärkt. Nicht selten erhält die Bundespolizistin als Feedback, das Seminar sei sehr aufschlussreich gewesen und man habe vor allem etwas fürs Leben gelernt.

Aufgeklärter, reflektierter und verantwortungsbewusster. Das sind die Kompetenzen, die das AKG seinen Schülerinnen und Schülern mit an die Hand geben möchte. Der Baustein „Präventionsarbeit im Bahnbereich“ stellt diesbezüglich einen wichtigen Bestandteil dar.

M. Ziegmann