"Damit haben wir doch noch gar nichts zu tun", wirft ein Schüler anfangs in die Runde und ist mit dieser Ansicht nicht ganz allein. Es ist 07:45 Uhr. Schulbeginn. Die Klasse 7 c des AKG sitzt in einem Stuhlkreis im Klassenzimmer und die meisten Schülerinnen und Schüler wissen nicht genau, was sie in den beiden kommenden Tagen erwartet. Ein Kompetenztraining zum Thema Sucht und Drogen steht auf dem Programm, aber darunter können sich die meisten nicht so recht etwas vorstellen.

Logo Masshalten 210copyright kmdd

Das Kompetenztraining "Maßhalten – Aktiv gegen Sucht" ist eines von drei Präventionsprogrammen, die in der Unterstufe des AKG an­ge­bo­ten werden. Ziel ist hierbei die Sensibilisierung der Ju­gend­li­chen für das Thema "Sucht und Drogen" und die aktive Aus­einan­der­set­zung mit unterschiedlichen Facetten dieses The­mas.

In einem ersten Block steht die Wissensvermittlung über verschiedene Suchtformen und Drogenarten im Vordergrund. Die Bedeutung der Begriffe Sucht und Genuss wird erarbeitet und die Jugendlichen erkennen, dass die Grenze zwischen beiden Ver­hal­tens­wei­sen nicht eindeutig zu definieren, sondern fließend ist.

Die Schülerinnen und Schüler erfahren viel Wissenswertes über die beiden "Gesellschaftsdrogen" Alkohol und Nikotin, deren Gefahr sich vor allem aus der Griffnähe im Alltag ergibt.

Interaktion Rauschbrille 270 querInteraktion mit Rauschbrille: Kinder und auch Lehrer erfahren die Beeinträchtigung durch Al­ko­hol­ge­nuss

Die Beeinträchtigung koordinativer Fähigkeiten in der Interaktion mit den Rauschbrillen wirkt anfangs noch belustigend, stellt sich dann aber in der anschließenden Besprechung als peinliche Situation für den Betroffenen heraus. In diesem Zusammenhang wird zudem rechtliche Aufklärungsarbeit geleistet und die Unterscheidung von le­galem, eingeschränkt legalem und illegalem Konsum erläutert.

Des Weiteren setzen sich die Jugendlichen mit dem Suchtfaktor der "Neuen Medien" auseinander. Beim Spiel "Maß des Lebens" wird ihnen verdeutlicht, wie ausgefüllt ein Tag sein kann (Schule, Freunde, Freizeitaktivitäten etc.) und wie viel wertvolle Zeit beispielsweise das Computerspielen und der Handykonsum kosten kann.

Im Zentrum des Kompetenztrainings steht immer die Vermittlung und Stärkung von Lebenskompetenzen, die sowohl bei der Bewältigung eigener Problemsituationen als auch bei Krisen von Mitmenschen von großer Bedeutung sind. Durch Rollenspiele lernen die Jugendlichen sich und ihr Verhalten nicht nur besser kennen, sondern haben anschließend die Möglichkeit, ihr Handeln und dessen Folgen zu reflektieren und alternative Verhaltensmöglichkeiten zu erarbeiten.

Beim Spiel "Rauchergrüppchen" wird das Phänomen des Gruppenzwangs diskutiert und analysiert. Es geht darum, dass ein Jugendlicher gern zu einer Clique dazugehören würde, die aber das Rauchen für die Aufnahme in die Gruppe zur Bedingung macht. Nach längerem Diskutieren über mögliche Verhaltensweisen resümiert eines der Mädchen: "Eigentlich hab ich ja immer eine gute Alternative".

Der Suchtstrudel 210 hochDer Suchtstrudel - fließender Über­gang

Beim abschließenden Spiel "Lebenskreis" werden zentrale Inhalte des zweitägigen Präventionsprogramms noch einmal zusammengefasst. Es geht um die Rolle, die Sucht im Alltag eines Menschen einnehmen kann. Die Schülerinnen und Schüler stehen in einem Kreis und geben verschiedene Gegenstände von Hand zu Hand weiter, in beide Richtungen. Diese Gegenstände symbolisieren die Lebensbereiche eines jungen Menschen (z.B. Buch für den Bereich Schule, Teller für den Bereich Familie, Handy für den Bereich Freunde etc.). Irgendwann kommt die Sucht in Form einer "Super-Mario-Stoffpuppe" ins Spiel und bringt alles völlig durcheinander. Sie wird in den Kreislauf geworfen und darf auf keinen Fall den Boden berühren. Alles Lebenswichtige wird der Sucht nun zwangsläufig untergeordnet, sie bestimmt den Alltag und bringt den Menschen aus seinem Rhythmus. Wird die Sucht aus dem Kreislauf genommen, beruhigt und normalisiert sich alles wieder.

In den beiden Tagen ist es auf spannende und oft auch humorvolle Art und Weise gelungen, die Jugendlichen für das Thema zu sensibilisieren. Nicht der erhobene Zeigefinger stand im Mittelpunkt, sondern die aktive, lebensnahe Auseinandersetzung mit dem Thema, einhergehend mit der Erkenntnis, dass ein gesundes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl einen in vielen Situationen richtig handeln lassen. Voraussetzung hierfür ist das Wissen um die eigenen Stärken und ein vertrauensvolles soziales Umfeld.

Dorle Steiger