MG 1819Mit einer Spannung von 1,2 Millionen Volt werden die Blitze erzeugt. Eine Bildergalerie finden Sie hier.

Sie kennen Kinderkarussell? Da sitzen die Kinder drin, drehen sich mit großer Geschwindigkeit und wenn sie das Kinderkarussell verlassen, taumeln sie über den Spielplatz. Das ist grad schön zum Zuschauen und alle finden es lustig. Als Erwachsener probiert man das besser nicht, zum – ausdauernden – Schwindel gesellen sich eine vornehme Blässe und das Bedürfnis nach Ruhe. Doch im Dienst der Wissenschaft darf das nicht hinderlich sein: Im Technorama, dem Swiss-Science-Center in Winterthur, gibt es auch eine Demonstration zur Coriolis-Kraft, in der die Zuseher als Versuchs­teil­neh­mer in einem Karussell in Erwachsenengröße und mit einem kräftigen Motorantrieb fahren dürfen. Derweil rollt man seinem Gegenüber kleine Bälle zu und sieht, wie diese vermeintlich abgelenkt werden. Das „vermeintlich“ liegt am Auge des Betrachters: Von außen besehen rollen die Bälle schnurgerade, zusammen mit der Be­we­gung des Karussells kommt es zu einer Ablenkung. Im echten Leben werden Flüsse, die nach Norden fließen eher entgegen der Erddrehung abgelenkt, also nach „links“ oder nach Westen, die Luft in Hochdruckgebieten dreht sich auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn, bei Tiefdruckgebieten entgegen des Uhrzeigersinns.

 MG 1706Das Gas Wasserstoff brennt zuweilen recht eindrucksvoll ab.

Zum vierten Mal machten sich Schüler des AKG auf den knapp 400 ­km weiten Weg ins schweizerische Win­ter­thur. Schulbeginn und Abfahrt war am Tag vor den Herbstferien um halb sechs in der Früh, von elf bis vier Uhr war dann Zeit, durch die vielen Experimente des Technorama zu stöbern oder sich eine Vorführung anzusehen. Bei der Vorführung zu Gasen beispielsweise werden die Dichteunterschiede bei verschiedenen Aggregatzuständen thematisiert, Explosionen mit Wasserstoff und als Staubexplosion machen sehr eindrücklich (und im Wortsinn) spürbar, welche Energie bei explosionsartigen Verbrennungen auf einmal frei wird.

Das Besondere am Technorama ist die Möglichkeit, sich naturwissenschaftliche Zusammenhänge durch 500 Experimentierstationen zu erschließen, also den Weg des induktiven Erkenntnisgewinns zu gehen. Die Erklärung liegt dann als Karte neben der Experimentierstation, so dass Effekt und Erklärung zusammenfinden können. Durch die 500 Stationen kann man sich natürlich nicht in fünf Stunden arbeiten, so dass dieses Mal Schüler schon zum dritten Male dabei waren. Am eindrucksvollsten ist wohl die Vorführung zur Naturgeschichte eines Blitzes, bei der mit Hilfe einer 2,50 Meter langen Teslaspule ein Gewitter mit bis zu drei Meter langen Blitzen erzeigt werden kann. Unsere Schüler(innen) ließen es sich nicht nehmen, die Blitze geschützt durch einen Faradayschen Gang persönlich einzufangen. Mutig ist es schon, wenn man sich traut, den Zeigefinger nach einer 1,2 Millionen Volt starken Spannungsquelle auszustrecken.

Die Teilnehmer der Exkursion bedanken sich recht herzlich bei der Dr. Johannes Heidenhain GmbH Traunreut und dem Förderverein für die großzügige Unterstützung.

Helmut Floder

 MG 1994Zahlreiche Schüler nahmen an der Exkursion ins Technorama im schweizerischen Winterthur teil.