In der Aula steht ein leuchtender Christbaum, über der Bühne hängen große Sterne, die Stimmung der versammelten Schüler schwankt noch zwischen Vorfreude und leichter Skepsis –  dann ist er da: Bas Böttcher. Kurz vor Weihnachten hatten die Schüler aller 9. und 10. Klassen die Möglichkeit, einen der bekanntesten Poetry Slammer Deutschlands kennenzulernen, der eigens aus Berlin an das AKG angereist war.

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Der Begriff „Poetry Slam“ stammt aus dem Englischen und bezeichnet wörtlich übersetzt eine „Dichter­schlacht“, also einen Wettkampf, bei dem selbst geschriebene Texte vorgetragen und anschließend vom Publikum bewertet werden. Das Format erfreut sich immer größerer Beliebtheit, inzwischen finden bereits U-20-Poetry Slams statt, einer davon auch in München. Dabei lebt Poetry Slam von dem Spiel mit Mehr­deutig­keiten in der Sprache, aber auch vom Rhythmus oder Vortragsstil.

Mit Bas Böttcher erlebten die Schülerinnen und Schüler einen der „ganz Großen“ der Szene. Bas Böttcher wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als National Poetry Slam Champion, mit dem Pegasus-Sonderpreis für neue Ausdrucksformen im Internet, mit einem Aufenthaltsstipendium im Literarischen Colloquium Berlin oder als Écrivain en résidence an der Sorbonne Nouvelle in Paris.

Bei einer Lesung in der Aula präsentierte der Poet seine Texte, wobei er für die Schüler ein ganzes Feuerwerk aus Sprache, aus scharfsinnigen und witzigen Texten entfachte, in verschiedenen Rhythmen vorgetragen. Ganz nebenbei erklärte Bas Böttcher die Arbeit eines Poetry Slammer und ging dabei immer wieder gerne auf konkrete Schülerfragen ein, die von „Wie verdient man als Dichter in Deutschland eigentlich Geld?“ bis zu „Was ist denn ein guter Text?“ reichten und den Dichter auch als Person erfahrbar machten.

Hautnah erleben durften Bas Böttcher die Klassen 9zc und 10a, denn für sie gab es zusätzlich zur Lesung noch einen Workshop von jeweils 1,5 Stunden. Dabei stellten die Schüler zum einen fest, dass es plötzlich auch schwierig sein kann, nur zwei Zeilen aufs Papier zu bringen, wenn es darum geht, mit Sprache gestalterisch umzugehen, zum anderen erfuhren sie aber auch, dass sie selbst über sich hinauswachsen konnten, als sie anschließend ihre Zwei- und Vierzeiler vor einem Aufnahmegerät präsentierten.

Vielleicht wagt der eine oder die andere ja den Weg auf die Bühne des U20-Poetry Slam in München oder gestaltet Sprache in ganz anderer Weise – für den Deutschunterricht gilt, was Bas Böttcher in seinem Text „Von Wegen“ formuliert:

 „An Knotenpunkten, Kreiseln und Sternen liegen mächtig
viele Talente, unschätzbare Werte, wunderprächtig
Es ist nur eine Frage der Hebetechnik“

(Nicht nur) wir Deutschlehrer werden uns gerne weiterhin gemeinsam mit unseren SchülerInnen um die beste „Hebetechnik“ bemühen…

Solvejg Lindner