Wie facettenreich und lehrreich Projektarbeit sein kann, wurde dem großen Publikum am Präsentationsabend der P-Seminare am Annette-Kolb Gymnasium mehr als deutlich vor Augen geführt.

image004Maximilian Tiling bei der Vor­stel­lung des P-Seminars Fran­zö­sisch: Cuisine Francaise

Die Projektseminare der gymnasialen Oberstufe sollen die Schülerinnen und Schüler auf das Studium bzw. die Arbeitswelt vorbereiten sowie neben wegweisenden Erfahrungen vor allem so­ziale und personale Kompetenzen vermitteln. Im Laufe des Abends des 25. 01. 2018 stell­ten die acht Projektgruppen die Ergebnisse ihrer eineinhalbjährigen Planungs- und Durch­füh­rungs­pha­se einem breiten Publikum in der Aula des AKG vor.

Bevor die zwei Schüler Johanna Dörrie und Severin Weiß die Mo­de­ra­tion durch den Abend übernahmen, betonte Schul­leiter Bernd Amsch­ler die große Bedeutsamkeit der schulischen Pro­jekt­arbeit und die da­mit verbundenen Entwicklungen der Schü­ler. Und so begann auch gleich die eigentliche Vorstellung der Pro­jekt­­ergebnisse durch je­wei­li­ge Vertreter der Seminare.

Einen sehr amüsanten Einstieg lieferte Maximilian Tiling für das Se­mi­nar „Französisch Kochen“:  Ihre ursprüngliche Idee, ein deutsch-​französisches Kochbuch zu erstellen, verwarf die Grup­pe, um sich voll und ganz der Praxis widmen zu können. Für etliche Events an der Schule kreierten sie „kulinarische“, fran­zö­si­sche Spezialitäten. Auch den Präsentationsabend selbst be­rei­cher­ten sie mit ihren Gaumenfreuden.

Ein ganz anderes Projekt präsentierte das Seminar „Physik“, das viel Arbeit und Planung in die Ent­würfe, sowie den selbstständigen Bau eines Wasserrads gesteckt hatte. Unter anderem wurde es ihnen ermöglicht, an einem CAD-Kurs, der sich als sehr lehrreich herausstellte, teilzunehmen. Oft erhielten sie Unterstützung von externen Partnern und zeigten sich sehr stolz über ein Wasser­rad mit einem Durchmesser von ca. zwei Metern, das es aus Zeitmangel leider bis dato nicht ins Wasser schaffte.

image001Beeindruckende Bilder und Objekte vom P-Seminar Kunst: Mein eigenes Thema

Äußerst kreativ und eigenständig konnten sich die Teil­nehmer des P-Seminars Kunst ausleben, die in ihrem Seminar ein ganz eigenes Thema gestalten durf­ten. Paula Schlagbauer, die selbst einen ganzen Raum zum Thema ‚Angst‘ gestaltete, stellte das Se­minar in allen Facetten vor: Von Objektkunst über Portrait-Arbeit bis zur Verbildlichung von Texten war alles dabei. Die Kunstwerke konnten in der Aula, wel­che als „Markthalle“ fungierte, bewundert werden und  er­freuten sich großer Beliebtheit.

Dass Schule mehr ist als nur eine Institution, zeigte das Projekt­seminar Sozialkunde, denn für viele Schü­ler bietet diese einen Lebensraum, in der man sich in einer Gemeinschaft einfindet. In der achten Jahr­gangs­stufe werden die Klassen neu zusammen­ge­würfelt, was das erneute Aufbauen von Bin­dungen innerhalb der Klassen erfordert. Das Seminar hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch einen Aktions­tag die Klassengemeinschaft und den Zusammenhalt der Schüler durch päda­gogische Spiele zu stärken. Dies war offenbar ein ganzer Erfolg, da sie von allen Seiten äußerst posi­tive Rückmeldungen erhielten.

image002Begegnungen mit Geflüchteten: P-Seminar Katholische Religionslehre

Während sich die einen für jüngere Schüler ein­setzten, engagierte sich das P-Seminar Religion dafür, Geflüchtete näher kennen­zulernen und durch ge­meinsame Erlebnisse eine Basis für ein in­teressantes Miteinander zu schaffen. Mit einer Gruppe von ca. 15 geflüchteten Jugend­lichen veran­stalteten sie ver­schieden­artige Treffen, wie Fuß­ball­spielen, Wan­dern, Klettern, Schlittschuh­laufen und ge­mein­sames Malen, was den interkulturellen Aus­tausch voran­trieb. Einer der Flüchtlinge zeigte seine Dankbarkeit für diese freundschaft­lichen Be­geg­nun­gen durch eine rührende Ansprache auf der Bühne.

Die wirtschaftliche Seite der Projektseminare übernahm der „Schulladen“. Ganz nach dem Motto „Nicht weit laufen, beim Schulladen kaufen!“, bauten die Jungs dieses Seminars einen Schreib­waren­laden innerhalb der Schule auf. Hinter diesem Projekt steckte enorm viel Arbeit, die sich in Be­reichen wie Buchhaltung, Einkauf, Öffentlichkeitsarbeit und insgesamt sehr viel Pla­nung äußerte. Das Mammut-Projekt, für alle neuen Fünftklässler einen kompletten Starter­pack anzu­bieten, verlief sehr erfolgreich, da knapp 130 von den 150 Schülerinnen und Schülern in diesem Schul­jahr das Angebot nutzten und daher nicht selbst einkaufen gehen mussten. Das Ergebnis kann sich also sehen lassen und es lockt tagtäglich viele Käufer von Merchandising- und Klein­artikeln an.

Für sehr rührende Momente an jenem Abend sorgte das P-Seminar Musik. Ein Film zeigte sie in verschieden­sten Kontexten im Miteinander mit auf Hilfe angewiesenen Menschen: Mittels kleiner Konzerte, Tanz und künstlerischem Input erheiterten sie Menschen, die mit geistigen und körper­lichen Einschränkungen zu leben haben. So besuchten sie unter anderem Kranken­häuser, Alten­heime, sehr häufig auch die Lebenshilfe in Altenmarkt. Diese herzlichen Begegnungen hatten der Aus­sage der Heim­leitung zufolge nachhaltig positive Wirkung auf die hilfsbedürftigen Menschen.

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Wie Kinder bereits von einem Re­gime indoktriniert werden kön­­nen: Jenny Gübel und Se­ve­rin Weiß bei der Vor­stel­lung ihres P-Seminars

Den Schlusspunkt setzte das P-Seminar Geschichte und es griff ei­ne sehr ernst­hafte Thematik auf. Viele Kinder und Jugend­liche wurden durch Regime wie dem der Nationalsozialisten so­wohl in der Schule als auch zu Hause manipuliert und indok­triniert. Die Teil­nehmer bekamen einen umfangreichen Einblick, wie Politik wahrhaftig ins Kinderzimmer einkehrte, durch ein­gehende Unter­suchun­gen von Originalstücken aus der da­maligen Zeit. Ihre Ergebnisse stellten sie im Rahmen einer großen Ausstellung im Heimat­museum Traun­stein aus.

Alles in allem erzielte jedes Projekt sichtliche Erfolge und die Schü­ler profitierten von ihren gemachten, praktischen Er­fah­run­gen. Unter Anderem deswegen gestaltete sich der Prä­sen­ta­tions­abend sehr stimmig und kann als wirklich gelungen bezeichnet werden.

Ida Lorenz, Franziska Willinger, Q 12