„Ich kotze und kotze!“

Binge-Eating, Bulimie und Anorexie: Was früher unter Magersucht bekannt war, hat heute viele Namen. Um unsere Schülerinnen und Schüler für die Themen Körperwahrnehmung, Essstörung und Schlankheitswahn zu sen­si­bi­li­sie­ren, wurde das Theaterstück „Food Diaries – Realität einer Essstörung“ von Heidy de Blum (derzeit in Elternzeit und vertreten durch Sarah Gebert) und Elisabeth Grünebach in unserer Aula aufgeführt.

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Gebeutelte Körper, schmerzverzerrte Gesichter, verzweifelte Schreie – und dann sitzt Elisabeth auf einem Sessel, starrt ins Leere und sagt: „Das Essen bestimmt meinen Tagesablauf.“ Sarah liegt am Boden, schweißgebadet, wütend und brüllt: „Ich finde es zum Kot­zen!“ Was die beiden Münchnerinnen in dem Theaterstück „Food Diaries“ auf der Bühne zeigen, haben sie bis vor Kurzem noch selbst erlebt. Erst durch die Therapie in einer speziellen Wohngemeinschaft fanden die Schauspielerinnen aus ihrer langjährigen Essstörung.

Schauspielerin Heidy de Blum hat das Stück aus eigener Erfahrung heraus selbst geschrieben. Sie versucht nun, an Schulen Prä­ven­tions­ar­beit zu betreiben und die Schüler für diese Problematik zu sen­si­bi­li­sie­ren bzw. sie zu ermuntern, Hilfsangebote aufzusuchen. Die ge­bann­te Aufmerksamkeit, mit der über 200 Schüler das Theaterstück verfolgten, zeigt, dass die Thematik alle auch emotional gepackt hat und sicher noch länger nachwirken wird.

Im Anschluss an die Aufführung hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, alle Fragen zu stellen, die ihnen nach einer anfänglichen Sprachlosigkeit in den Sinn kamen. Unterstützt durch den Verein ANAD in München gab Frau Lausch sehr persönlich und offen Auskunft über ihre eigene Krankheitsgeschichte und auch hier kamen wir immer wieder auf die eigentliche Botschaft des Stückes: Junge Menschen brauchen die Möglichkeit zu lernen, dass sie in und mit ihrem Körper zufrieden sein können. Und: Es gibt einen Weg heraus aus diesem zerstörerischen Kreislauf!

Hannah Losert
Beauftragte für Suchtprävention am AKG