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Wir alle haben unsere Bilder im Kopf, wenn wir mit dem Begriff „Psychiatrie“ in Berührung kommen: Zwangseinweisungen, Fremd­bestimmung oder „verrückte Menschen“, wie die Patienten oder auch ihre Psychiater?

Frau Dr. Inga Schumann, Oberärztin der kinder- und jugend­psychiatrischen Abteilung der Schön Klinik Roseneck Prien, hat uns wieder einmal eines Besseren belehrt. In einem sehr informativen sowie anschaulichen Vortrag stellte sie uns nicht nur die Kinder- und Jugendabteilung der Klinik in Prien vor, sondern sie berichtete auch aus ihrer alltäglichen Praxis mit Jugendlichen zwischen etwa 14 und 18 Jahren.

So erfuhren wir beispielsweise, dass bereits seit drei Jahren Schulunterricht in der Klinik für die schulpflichtigen Patientinnen und Patienten möglich ist. Insbesondere Essstörungen treten bei immer jüngeren Menschen auf. Die Schön Klinik Roseneck, die als bundesweit führende Fachklinik bei der Behandlung solcher Krankheitsbilder gilt, hat dieser Entwicklung Rechnung getragen, indem inzwischen drei Lehrerinnen für vier Klassen zur Verfügung stehen. Die Krankenhausschulordnung schreibt vor, dass schulpflichtige Kinder und Jugendliche sechs Wochen nach Beginn einer Behandlung Anspruch auf Schulunterricht besitzen, damit sie durch eine lange Abwesenheit keine zu großen Nachteile haben. Denn die jungen, schulpflichtigen Patientinnen und Patienten der Schön Klinik Roseneck sind nach Angaben von Dr. Schumann im Schnitt etwa elf Wochen im Haus, bei komplexen Krankheitsbildern mitunter auch noch viel länger.

Der Alltag in einer psychiatrischen Klinik wurde für uns durch diesen Vortrag nicht nur nachvollziehbar, sondern hat damit vielleicht auch ein wenig seines Schreckens verloren.

Die anschließende Möglichkeit, einer Expertin konkrete Fragen zu diesem Thema zu stellen, haben unsere Schülerinnen und Schüler intensiv genutzt und zuletzt die Information mit auf den Weg bekommen, dass die Roseneckklinik in Prien täglich für Jugendliche und deren Angehörige, auch anonym, eine spezielle Telefonsprechstunde für Fragen rund um die Jugendabteilung anbietet.

Bei Essstörungen handelt es sich um eine sehr ernstzunehmende Erkrankung und es wurde deutlich, dass sich frühzeitig Hilfe zu holen, einen besonders förderlichen Faktor einer gelingenden Therapie darstellt.

Hannah Losert
Beauftragte für Suchtprävention am AKG