Auf den Einzelnen kommt es an

 MG 3317 1 210Beate Rutkowski erklärte den Schülern die Arbeit des  Na­tur­schutz­ver­ban­des BUND.

Mit einem Vortrag zur Ökologie rundeten die Oberstufenschüler des AKG ihr Wissen um Landschaftsnutzung, Tourismus und die Ver­ant­wor­tung des Einzelnen als Verbraucher ab. Beate Rutkowski vom BUND Naturschutz in Bayern und Marlene Berger-Stöckl von der Öko­mo­dell­region Waginger See – Rupertiwinkel gaben eindruckvolle Ein­blicke in ihre Arbeit.

Beate Rutkowski griff den Begriff Nachhaltigkeit auf, den Schulleiter Bernd Amschler in seinem Grußwort angesprochen hatte und der für die Umweltschule AKG als Leitlinie dient. Es gehe darum, so erklärte Rutkowski den Begriff, dass alle Menschen auf der Erde jetzt und in der Zukunft dieselben Chancen auf eine selbstbestimmte Zukunft ha­ben. Das bedeutet, dass die verfügbaren Ressourcen für alle Men­schen – auch diejenigen, die in der Zukunft leben – verfügbar sein sol­len. Für industrielle Produktionsprozesse bedeute dies, dass Me­tal­le und die aufwändig zu gewinnenden Seltenen Erden nachhaltig ge­won­nen und genutzt werden, für die Lebensgrundlagen des ein­zel­nen Menschen geht es um die Ressourcen Boden, Wasser und Luft, die Zerstörung und Ver­schmut­zung ausgesetzt sind.

Beate Rutkowski stellte klar: „Nachhaltig leben ist möglich!“ So würden die derzeit hergestellten Lebensmittel ausreichen, um zwölf Milliarden Menschen zu ernähren, von diesen Lebensmitteln wird jedoch eine große Menge an Getreide für die Fleischproduktion verbraucht. Beate Rutkowski merkte an, dass es derzeit in vielen Ländern der Erde mehr Rinder als Menschen gäbe. Ebenso sei es ein Trugschluss, dass industriell hergestellte Lebensmittel die Basis für die Ernährung darstellten: 75 Prozent der Nahrungsmittelproduktion weltweit stammten aus kleinbäuerlichen Betrieben, und diese gelte es zu unterstützen, so die Kreisvorsitzende des BUND Naturschutz in Bayern. Der institutionelle Naturschutz, den der BUND mit seinen über 3000 Mitgliedern im Landkreis Traunstein vertritt, kann im Gegensatz zum behördlichen Umweltschutz frei von Weisungen aus der Amtshierarchie arbeiten. Einen Schwerpunktseiner Arbeit setze der Umweltschutzverband damit, Nachhaltigkeit umzusetzen, dies bedeute, sich z.B. für eine ökologische Landwirtschaft einzusetzen, die ohne Pestizide  und am besten auch ohne Gentechnik arbeitet. Klassische Zuchtwahl ist bekanntermaßen zeitaufwändig, biete aber den unschätzbaren Vorteil, dass sich die Merkmale unter unterschiedlichsten Umweltsituationen bewährt haben, bevor sie zum großflächigen Einsatz kommen. Schnelle Ergebnisse aus genveränderten Pflanzen können genau dies nicht, die Wechselwirkungen mit der Umgebung können gerade auch wegen der Geschwindigkeit der Entwicklung nicht auf ihre langfristigen Auswirkungen abgeschätzt werden.

 MG 3331 1 270Marlene Berger-Stöckl stellte den AKG-Schü­lern die Arbeit der Ökomodellregion Wa­gin­ger See - Rupertiwinkel vor.

Auch die Ökomodellregion Waginger See – Ru­per­ti­win­kel steht für die Zielsetzung, den Ökolandbau zu för­dern und mehr Landwirte zum langfristig erfolgreichen Um­stieg auf einen Bio-Betrieb zu beraten. Was bay­ern­weit mit fünf Ökomodellregionen begann, ist im Mo­ment auf zwölf Projekte angewachsen, in Bayern ste­hen sechs weitere Ökomodellregionen in den Start­löchern. Durch die Veränderungen in der Land­wirt­schaft verändert sich auch die Landschaft“, führte Mar­lene Berger-Stöckl von der Ökomodellregion aus. Fel­der, auf denen Kleegras wächst, Dinkel angebaut wird oder der Laufener Landweizen gedeiht, die Felder viel­leicht noch durch einen Streuobstanger gegliedert sind, ha­ben ein gänzlich anderes Erscheinungsbild als artenarme intensiv genutzte Wiesen oder „Forst­straßen“, die durch Schluchten aus Maisfelder führen. Mag das Landschaftsbild für einen Landwirt, der unter Ertragsdruck stehen, nicht im Vordergrund stehen, so ist es für den Tourismus in einer Urlaubsregion sehr wohl von Bedeutung, ob die Gäste die Landschaft als ästhetisch und schön oder als monoton empfinden. Ein Ausweg aus der Spirale, immer mehr und das auch immer günstiger zu produzieren, sei der Umstieg auf Öko-Landbau. Allerdings sei der Aufwand für die Herstellung höher und darum ein fairer, höherer Preis notwendig. „Nur wenn Verbraucher die Produkte abnehmen, können die Landwirte auch ökologisch wirtschaften.“ Auch wenn der Markt für Bio-Lebensmittel wachse, seien zum Beispiel Molkereien nur in dem Maße bereit, so viel an Bio-Milch abzunehmen, wie sie dann auch verkaufen könnten. Somit sei der Absatz der limitierende Faktor für umstellungswillige Landwirte. Für die Ökomodellregion sei es wichtig, dass sie mit allen Landwirten, konventionellen wie ökologisch arbeitenden, ökologische Projekte durchführt.

Eines dieser Projekte sei die Arbeitsgruppe Streuobst in der Ökomodellregion, der Beate Rutkowski vorsteht. Das Streuobst ist ein uralter Bestandteil der Landschaft, es diente den Menschen als wichtige Vitaminquelle. Viele verschiedene Obstbaumarten, unter die sich gerne auch ein Walnussbaum mogelte, waren später im Weg, weil sie den effizienten Maschineneinsatz behinderten oder für Wohnraum und Gewerbegebiete weichen mussten. Um die Ästhetik und den ökologischen Nutzen der Streuobstwiesen wiederzubeleben, wurden innerhalb des Projekts Streuobst der Ökomodellregion bisher 760 Bäume neu gepflanzt, die während ihrer Nutzung als Obstbäume vielen Arten als Offenland-Lebensraum zur Verfügung stehen. Im Wald ist der Bestand zu dicht und die Wiese allein bietet nicht den Lebensraum  für viele Vogel- und Insektenarten sowie Fledermäuse, eine Funktion, die die Bäume später auch als Totholz haben werden.

Dass die beiden Vorträge die Schüler angesprochen haben, merkte man auch an der anschließenden ausdauernden Diskussion, für die sich Beate Rutkowski und Marlene Berger-Stöckl noch die Zeit nahmen und bei der sie auf die Argumente der Schüler genau eingingen.

Helmut Floder

 MG 3351 1 540Zum Schuljahresende referierten Beate Rutkowski (l.) und Marlene Berger-Stöckl am AKG zur institutionellen Naturschutzarbeit des BUND und der Arbeit der Ökomodellregion Wa­gin­ger See – Rupertiwinkel.