18 19 DraussenvorderTuer

Traunstein, 12. März 2019. Die Bühne des Annette-Kolb-​Gymnasiums in Traunstein wird erhellt von rotem Licht, zwei Schauspieler tanzen zu unbeschwerter Mu­sik, ein dritter steht unauffällig am Rand der Bühne. Eine kräftige Männerstimme ertönt über Lautsprecher: „Ein Mann kommt nach ...“. Er kommt in verschiedene Kriegs­gebiete der heutigen Zeit und muss feststellen, dass die Welt verkehrt ist. „Ein Mann kommt nach Deutsch­land“ – und die Inszenierung des Kriegs­heim­keh­rer­dra­mas „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Bor­chert beginnt.

Borchert, geboren am 20. 05. 1921 in Hamburg, schrieb schon während seiner Jugend Gedichte und absolvierte nach der Schule eine Schauspielausbildung. 1941 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und musste die Schrecken des Krieges hautnah an der Front miterleben. Nach seiner Kriegs­ge­fan­gen­schaft war Borchert aufgrund von Erkrankungen und Leberschäden ans Krankenbett gefesselt; in dieser Zeit schrieb er viele Werke der Trümmerliteratur wich auch das Werk „Draußen vor der Tür“. Er starb 1947, einen Tag vor der Uraufführung seines Stückes.

In seinem Werk, das er in nur acht Tagen verfasste, geht es um den ehemaligen Unteroffizier Beckmann, der nach langjähriger Kriegsgefangenschaft in seine zerstörte Heimatstadt Hamburg zurückkehrt und keinen Ausweg mehr sieht. Die Elbe will sein Leben nicht und spült ihn wieder ans Ufer; von da an begleitet ihn der Andere, der Ja-Sager, der ihn wieder zum Leben motivieren will. Beck­mann versucht, Halt zu finden, ein neues Leben zu beginnen, doch die verschiedenen Türen der Menschen, bei denen er anklopft, schlagen zu und er steht draußen. Draußen vor der Tür auf der Straße, die ihn immer wieder zur Elbe ziehen will und deren Weg er dann auch einschlägt, da niemand ihm mehr antwortet.

Die Inszenierung des Stückes gelang den vier Schauspielern des Thalia Theaters Wien, trotz eines kurz zuvor eingetretenen Todesfalles, sehr gut. Die Schüler der 9z und 10. Klassen verfolgten das Geschehen auf der Bühne genau und der ernstgemeinte und langanhaltende Schlussapplaus sprachen für den Erfolg und wohl auch die Wirkung dieser Theateraufführung, deren Aussage immer noch aktuell ist. Auch heute finden weltweit grausame Kriege statt und Soldaten kehren tagtäglich in ihre zerstörte Heimat zurück. „Deshalb sagt ‚nein‘ zum Krieg, seid schlau und denkt mit, denn Krieg ist nie etwas Gutes und durch den Krieg entsteht eine verkehrte Welt, eine Welt, in der der Tod der neue Gott ist und der alte Gott um seine Kinder weint“, so der Schlussappell des Tourneeleiters.

Wir bedanken uns herzlich beim Thalia Theater Wien, das eine bewegende Vorstellung auf die Bühne gebracht hat.

Eine Fotogalerie zur Aufführung finden Sie unter „Schulleben » Fotos » Aktuell“.

Sophia  Schillmeier (10 a)